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Mehr freies Spiel für Kinder!

Müssen wir unsere Kinder permanent beschäftigen und fördern? Warum ist das freie Spiel so wichtig? Und welche Rolle spielen wir dabei als Eltern?

Kinder - freies Spiel

Wir versuchen gute Eltern zu sein. Wir kaufen unseren Kindern jedes erdenkliche Spielzeug, wir fördern sie wo immer wir können, wir beschäftigen sie damit ihnen nur nicht langweilig wird. Wir denken wir tun das Beste für unsere Kinder und wenn sie nicht so begeistert reagieren wie wir uns das erhofft haben, dann kaufen wir noch besseres Spielzeug, suchen nach noch interessanteren Beschäftigungen, fördern noch intensiver und werden – Dank Google – zu Spezialisten was Spielzeug und Förderung betrifft. Dabei vergessen wir allerdings eins: Kinder wollen oft einfach nur spielen. Sie wollen kreativ sein, ihren Körper spielerisch entdecken und ihre Umwelt spielerisch erkunden.

Was ist freies Spiel eigentlich?

Freies Spiel bedeutet, dass Kinder frei sind in der Gestaltung ihrer Beschäftigung und in der Verwirklichung ihrer Ideen. Das heißt sie entscheiden selber was sie wie mit wem spielen wollen. Kein Wunder also, dass Kinder ihre “Hobbys” wie Gitarre spielen, Fußball oder Malen (solange diese “richtig” unterrichtet werden, das heißt in geführten Kursen oder im Verein stattfinden) weniger als Spiel wahrnehmen, sondern viel mehr als “Arbeit” wie Hausaufgaben oder Schule.

“ Die spielen ja nur…!”

Für den Außenstehenden ist die Bedeutung des freien Spiels oft nicht erkennbar. Es sieht nach purer Zeitverschwendung aus, wenn Kinder “sinnlos” auf einem Stein balancieren, von A nach B rennen oder sich einen Hügel herunterrollen lassen. Aber gerade im freien Spiel lernen Kinder unwahrscheinlich viel über sich selbst, ihren Körper, ihre Grenzen, ihre Mitspieler und ihre Umwelt:

Was will ich? Welche Bedürfnisse habe ich? Will ich gerade alleine spielen oder mit anderen Kindern zusammen? Will ich ein ruhiges Spiel spielen oder mich lieber austoben? Wann und wie setze ich meine eigenen Wünsche durch? Wann ordne ich mich unter? Wie fühle ich mich dabei? Wie kann ich selber Regeln für ein Spiel aufstellen? Wie verhalte ich mich bei Rollenspielen? Wie reagiere ich flexibel auf Unvorhergesehenes? Wie kann ich mich Herausforderungen kreativ stellen? Viele Fragen, die beim freien Spiel immer wieder neu beantwortet werden.

Warum kommt das freie Spiel heute zu kurz?

Kennst du auch diese Stimme im Hinterkopf die dir immer einreden will, dass du dein Kind nicht genug förderst? Offensichtlich haben wir die oben stehenden Vorzüge des freien Spiels noch viel zu wenig verinnerlicht. 

Zum anderen werden wir heute von den Medien täglich mit Werbung für Spielzeug bombardiert, so dass der Eindruck erweckt wird, dass mit Spielzeug überfüllte Kinderzimmer erstens völlig normal sind und zu einer glücklichen Kindheit dazugehören wie Essen und Schlafen. Zweitens wird der Kauf von Spielzeug gleichgesetzt mit Elternliebe und Fürsorge. “Je mehr ich meinem Kind kaufe desto mehr liebe ich es!” Unter dem Strich dient der Kauf allerdings vor allem dazu, das Konto der jeweiligen Firmen zu füllen und weniger der Gesundheit und der Entwicklung deines Kindes. Freies Spiel und unstrukturierte Freizeit kostet dagegen nichts. Das heißt, es verdient niemand daran. Und genau deshalb hören wir auch so wenig darüber.

Was können wir als Eltern tun?     

Unverplante Zeit “planen”

Deine Aufgabe ist es deinem Kind die Voraussetzungen für freies Spiel zu schaffen und die wichtigste Voraussetzung für freies Spiel –  so banal das auch klingen mag – ist unverplante Zeit. Zeit ist heute leider bereits bei Kindern Mangelware. Aber erinnere dich doch mal an deine eigene Kindheit: Waren die schönsten Nachmittage nicht die, an denen du dich einfach auf dein Fahrrad geschwungen hast und ohne Ziel durch die Gegend gefahren bist um dann spontan mit anderen Kindern Verstecken oder Ball nach euren eigenen Regeln zu spielen?

Reizarmut statt Reizüberflutung

Wenn das nächste mal bei facebook oder beim googlen eine Werbung erscheint für ein “ultimatives (Bewegungs-)spielzeug dann überleg dir doch erstmal ob sich dein Kind wirklich gerne damit über einen längeren Zeitraum beschäftigen würde. Mit was beschäftigen sich Kinder denn wirklich am liebsten? Oft sind es Gebrauchsgegenstände mit denen  Eltern sich oft beschäftigen. Je nach Alter kann das ein Schneebesen und eine Schüssel sein, die Polster der Sofagarnitur, die in eine Rutsche oder Höhle umfunktioniert werden, oder Hölzer, Stecken und Papas Werkzeug. Dazu gehört natürlich auch, dass der Inhalt deines Küchenschranks für dein Kind frei zur Verfügung steht, auch wenn Töpfe und Co als Hindernisse für einen Kletterparcour zweckentfremdet werden😉.

Schenke deinem Kind Vertrauen

Kinder müssen auch Fehler machen dürfen, aus denen sie lernen können. Das einzige was du dabei tun musst ist dich zurückzuhalten und deinem Kind nicht zu erklären, wie es den Ball “richtig” schießt, wie es “richtig” auf ein Klettergerüst klettert oder welche Spielregeln die “richtigen” sind. Lehn dich doch einfach mal zurück, schaue ihm zu und schenke ihm dadurch die Möglichkeit Erfolgserlebnisse zu sammeln, so dass es anschließend zu sich sagen kann: “Das habe ich alleine geschafft!”

Gehe mit deinem Kind in die Natur

Die Natur ist die ideale Umgebung für freies Spiel. Statt monofunktionalem Spielzeug gibt es hier eine große Anzahl an frei verfügbaren Materialien ohne vorgegebener Funktion: Stecken, Blumen, Erde, Sträucher, Sand, Bäume, Blätter, Rindenstücke und Wasser regen die kindliche Fantasie an und lassen sich je nach Bedarf neu definieren. So kann zum Beispiel ein Busch als “Räuberhöhle” dienen, als Prinzessinnenschloss, als “Regenschutz” oder als “Versteck” vor den “wildgewordenen Cowboys”.

Wie ist das bei dir zu Hause? Mit was spielt dein Kind am liebsten? Wie viel Zeit steht ihm für freies Spiel zur Verfügung?

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