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Hilfe, mein Kind hat ADHS!

Warum kann sich mein Kind nicht konzentrieren? Und warum kann es nicht still sitzen? Was ist ADHS überhaupt und wie kann ich meinem Kind helfen?

ADHS

Die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) – auch als Zappelphilipp-Syndrom bekannt – zählt zu den am häufigsten diagnostizierten neuropsychischen Störungen in westlichen Ländern. Laut Ärzteblatt wird inzwischen bei über 6% aller Kinder ADHS diagnostiziert, bei 9-jährigen Jungen sind es sogar 13,9 %. (1)

Hat mein Kind wirklich ADHS?

Was ist ADHS überhaupt? Kaum ein Thema wird in den Medien so kontrovers diskutiert wie ADHS. “ADHS does not exist” („Die ADS Lüge“) nennt der amerikanische Arzt, Kinderarzt und Autor Richard Saul bewusst provokativ sein Buch. Der Begriff  ADHS, so wie er heute verwendet wird, ist seiner Meinung nach eher eine „eine Sammlung von Symptomen, die mit dieser Diagnose assoziiert werden“ und nicht eine Krankheit. Zu schnell werden Kinder mit dem Stempel ADHS versehen. Jedoch mussten laut Saul nur 10 Prozent der Patienten, die zu ihm mit ADHS-Beschwerden kamen deswegen medikamentös behandelt werden. Auch Schlafentzug, Kurzsichtigkeit, Drogenmissbrauch oder Eisenmangel, familiäre Probleme oder zu viel Internetkonsum und Computerspiele können Gründe für ADHS-Symptome sein. Die richtige Diagnose führt zur passenden Therapie. Kinder die zwei Stunden hochkonzentriert Computer spielen und anschließend bei den Hausaufgaben herumzappeln und sich nicht konzentrieren können haben definitiv kein ADHS. (2)

ADHS – eine Störung des Gehirns oder die Folge des modernen Lebensstils?

Bei der Frage nach den Ursachen sind sich die Experten nicht einig: Schulmediziner sehen die Ursache in genetisch bedingten, also angeborenen Funktionsstörungen des Gehirns. Entsprechend verschreiben Kinderärzte oft Medikamente, um diese Störung zu beheben. Die Gegenseite betrachtet die hirnbiologischen Störungen als Folge von Umweltbedingungen, also von krankmachenden Verhältnissen in Familie, Kindergarten, Schule und der Gesellschaft generell. Das moderne Leben mit zu viel Medienkonsum, zu wenig Bewegung und Naturerlebnissen sowie zunehmend gestörte Familienverhältnisse verursachen demnach ADS. Hirnbiologisch nachweisbare Fehlfunktionen seien dann die Folge, nicht jedoch die primär zu behandelnde Ursache. (3) Gerald Hüther betont, dass sich das kindliche Gehirn je nach gemachten Erfahrungen entwickelt. Bei einem Mangel an wichtigen Erfahrungen in der Kindheit hat das Kind bzw sein Gehirn keine Gelegenheit zum Beispiel Impulskontrolle zu lernen.  

ADHS effektiv behandeln

Unzählige Artikel und Bücher sind in den letzten Jahren zum Thema ADHS veröffentlicht worden mit zum Teil sehr widersprüchlichen Darstellungen. Für die Betroffenen ist es da schwer den Überblick zu behalten. Nicht jedes Kind, das mal zappelt oder stört, hat ADHS. Eine sorgfältige Diagnoses ist wichtig. Die Therapieansätze von ADHS sind ebenso vielseitig wie die Ursachen. Die Therapie der Symptome sollte sich dementsprechend auch an der Ursache bzw den Ursachen orientieren. Familiäre Probleme oder Bewegungsmangel kann nicht mit Medikamenten behandelt werden.

Mit Medikamenten gegen ADHS?

Wir wollen an dieser Stelle keine Diskussion zum Thema „Retalin ja oder nein“ anzetteln. Ob Medikamente verabreicht werden sollten muss in jedem Fall individuell geklärt werden und kann nur in der Zusammenarbeit von Arzt und Eltern entschieden werden. Medikamentöse und nicht-medikamentöse Maßnahmen können natürlich auch kombiniert werden.

Ziel dieses Artikels ist es vielmehr darzustellen, dass 

  1. bei Kindern mit ADHS – Symptomen unbedingt die Ursachen abgeklärt werden müssen um dem betroffenen Kind effektiv helfen zu können.
  2. Bewegungsmangel zu Symptomen wie Aufmerksamkeitsdefizit und Hyperaktivität führen kann und
  3. Bewegung eine elementare Rolle bei der “Therapie” von ADHS – Symptomen spielt.

ADHS und Bewegung

Nicht mal mehr die Hälfte aller Kinder bewegen sich heute noch ausreichend und Bewegungsmangel kann auch Symptome wie Hyperaktivität und Aufmerksamkeitsdefizit hervorrufen, ohne dass Kinder gleich zwangsläufig ADHS haben. Diese Kinder haben nur ein gesundes Bewegungsbedürfnis. “Pathologisch” ist in diesem Fall eher der Lebensstil. Die passende “Therapie” wäre in diesem Fall die Änderung des sitzenden Lebensstils. Sport, Ausflüge, Spielenachmittage mit anderen Kindern, ausgiebige Spaziergänge, Kontakt zur Natur und vor allem Zeit zum freien Spielen und Toben. Der Zusammenhang zwischen Bewegung, Vernetzung im Gehirn und Lernen darf dabei nicht übersehen werden. 

Was sagen die Experten?

In einem Interview nennt Johannes Streif, (Diplompsychologe und Mitglied im ADHS Deutschland e. V. seit 2002) Bewegung den “vielleicht wirksamsten Bestandteil in der nichtmedikamentösen Therapie von ADHS-Kindern, weil sie den Kindern Spaß macht und diese daher gerne mitmachen.” (4) Dass Bewegung und Sport Kindern mit ADHS hilft haben inzwischen auch viele Studien belegt:

  • Laut einer Studie der Universität Regensburg steigert Sport bei ADHS-Kindern die kognitiven Fähigkeiten insbesondere die Aufmerksamkeit und die Gedächtnisleistung. „Bewegung ist immer wichtig für Kinder, aber gerade für ADHS-Kinder bietet sie die Chance, etwas besser mit den Symptomen klarzukommen“, sagt Dr. Astrid Maroß, Fachärztin für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie im AOK-Bundesverband. Die Sportart scheint dabei keine Rolle zu spielen. (5)
  • Die Studie von Cerrillo-Urbina weist darauf hin, dass Bewegung Symptome wie Aufmerksamkeitsdefizit, Hyperaktivität, Impulsivität, Angstzustände und soziale Störungen bei Kindern mit ADHS mildert. (6)
  • John J Ratey widmet der Auswirkung von Bewegung auf ADHS ein ganzes Kapitel in seinem Buch “Superfaktor Bewegung: Das Beste für Ihr Gehirn!”

Die Art der Bewegung, die Sportart, die Dauer und Häufigkeit hängt wieder von den individuellen Bedürfnissen des einzelnen Kindes ab. Patentrezept gibt es keins. Das wichtigste ist, dass es dem Kind Spaß macht.


Und: Nein, Bewegung ist nicht das ultimative Wundermittel gegen ADHS😉 aber ein leider immer wieder vergessener wesentlicher Bestandteil sowohl in der Prophylaxe als auch in der Therapie von ADHS, Aufmerksamkeitsproblemen und Hyperaktivität.  


Literatur:

  1. Dtsch Arztebl Int 2017; 114(9): 141-8; DOI: 10.3238/arztebl.2017.0141
  2. Richard Saul 2016 in einem Interview der Augsburger Allgemeinen 
  3. Gerald Hüther in einem Interview mit Psychologie heute
  4. Johannes Streif in einem Interview mit der “Zeit” 
  5. Pressemitteilung Uni Regensburg 2014  Sport verbessert kognitive Fähigkeiten von Kindern mit ADHS
  6. Cerrillo-Urbina 2015: “The effects of physical exercise in children with attention deficit hyperactivity disorder: a systematic review and eta-analysis of randomized control trials.”
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