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Abenteuer per Mausklick statt draußen spielen

Warum spielen Kinder lieber am Computer als draußen? Und wie können wir das ändern? Ein Plädoyer für mehr Selbstbestimmung, Abenteuer und Selbstwirksamkeit in der realen Welt.
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Computer sind aus dem Alltag nicht mehr weg zu denken. Schon die Kleinsten surfen, spielen und chatten mit großer Begeisterung. Kindern, die am Computer spielen sind heute ein vertrauter Anblick. Dagegen sind Kinder die draußen spielen eher zu einer vom Aussterben bedrohten Art geworden. Warum finden Kinder Computerspiele eigentlich um so viel interessanter als das draußen Spielen? Und was können Eltern tun damit ihre Kinder neben der virtuellen Welt auch die reale Welt wieder als “Spielplatz” für sich entdecken?

Das böse Internet?

“Wer zu lange im Internet unterwegs ist wird dick, krank, dumm, fantasielos und einsam. Computerspiele schaden der kindlichen Psyche und stiften zur realer Gewalt an. Dazu kommen noch die Kriminellen, die die Anonymität im Netz für ihre Zwecke nutzen. Nicht zu vergessen die gefährliche Strahlung. Und süchtig macht es auch noch.”

“Ist alles gar nicht so schlimm!” sagen die anderen. “Das Internet ist die genialste Erfindung aller Zeiten. Immerhin ermöglicht es uns in einem Bruchteil von Sekunden an fast jede Information zu kommen. Wir müssen nur lernen verantwortungsvoll mit dem Internet umzugehen.”

Ganz egal ob man eher die negativen oder positiven Seiten sehen will – Tatsache ist: viele Kinder spielen heute täglich stundenlang mit Begeisterung am Computer. Für das Spielen in der realen Welt, Bewegung und Austoben im Freien bleibt kaum noch Zeit und immer mehr Eltern fragen sich:

„Warum spielt mein Kind lieber am Computer als draußen?“

Was macht Computerspiele eigentlich so interessant für Kinder? Eine Antwort lautet: Die Computerspiele sind so gemacht, dass sie süchtig machen. Die Hersteller sind also Schuld und wir als Eltern sind “Opfer” und tragen dementsprechend auch keine Verantwortung.

Bei näherer Betrachtung wird allerdings deutlich, dass wir als Eltern selber einen großen Teil der Verantwortung tragen, was bedeutet (und das ist die gute Nachricht), dass wir auch aktiv etwas ändern können.

Wie bekomme ich mein Kind vom Computer weg?

Was machen Kinder in ihrer Freizeit am Liebsten? Natürlich etwas, was ihnen Freude bereitet. Keine Belohnung (gute Noten, Süßigkeiten,…) keine Androhung von Strafen (schlechte Noten,…) sondern die Freude an der Sache selbst motiviert Kinder etwas zu tun. Die intrinsische Motivation, also der Anreiz, der die Tätigkeit selbst bringt ist verantwortlich für die Wahl der Freizeitbeschäftigung. Egal ob diese Tätigkeit Computerspielen oder Draußen Spielen heißt.

Die Entscheidende Frage ist also erst einmal: Welche Kriterien müssen erfüllt sein, damit Kinder Freude an einer Tätigkeit empfinden? Und warum macht Kindern das Spielen an einem Computer mehr Freude als das draußen Spielen und Bewegen?

Selbstbestimmung und Autonomie

Immer mehr Kinder haben einen eigenen Computer, einen eigenen Laptop oder (und) ein eigenes Smartphone – oft mit uneingeschränktem Internetzugang. Eltern haben meist keinen Überblick wann und wie lange ihr Nachwuchs welchen Tätigkeiten im Internet nachgeht. Das ist ein Maß an Freiheit, das Kinder heute sonst kaum noch in anderen Bereichen haben. Sie können aus der riesigen Auswahl an Spielen im Internet frei wählen, können selbst bestimmen auf welchem Level sie spielen möchten. Ist das Level zu hoch kann per Mausklick eine einfachere Variante gewählt werden. Und wird es abends dunkel ist das noch lange kein Grund den Computer auszuschalten.

Doch wie schaut es mit der Selbstbestimmung beim draußen Spielen aus? Welches Kind darf heute noch draußen frei Spielen ohne, dass die Eltern wissen wann und wie lange ihr Nachwuchs welchen Tätigkeiten draußen nachgeht? “Wo gehst du hin?”, “Mit wem Spielst du?”, “Nimm dein Handy mit, damit wir dich jederzeit erreichen können!”, “Geh nicht zu weit von zu Hause weg!”, Komm in einer halben Stunde wieder!” heißt es oft. Auch das nächste “Level” draußen auszuprobieren und zum Beispiel einen Ast höher auf einen Baum zu klettern oder sich mit dem Fahrrad mal so richtig in die Kurven zu legen ist nicht erwünscht wegen der Verletzungsgefahr. Viel Raum für selbstbestimmtes Spielen bleibt so nicht.

Abenteuer per Mausklick

Das nächste Zauberwort heißt Abenteuer. Als Piraten die Weltmeere umsegeln, ein Baumhaus bauen oder sich als feindliche Indianerstämme bekriegen waren schon immer beliebte Freizeitbeschäftigungen von Kindern. Zu der Zeit als es noch normal war, dass Kinderhorden den ganzen Nachmittag durch die Siedlungen streiften, gehörten “Life”-Abenteuer zum Alltag. Die Nachbarskinder wurden schnell zum feindlichen Indianerstamm ernannt, mit Papas Säge und ein paar alten Brettern bauten man sich eine Räuberhöhle und mit einfachsten Mitteln und etwas Fantasie saß man im Wikingerschiff.  Draußen Spielen und Abenteuer waren Alltag – Bewegungsmangel ein Fremdwort. Und heute? Der Wunsch Abenteuer zu erleben ist nach wie vor gleich groß, aber wo sind die anderen Kinder zum Banden gründen? Und – Hand aufs Herz – wer lässt heute noch sein Kind mit einer Säge hantieren und Bretter auf einen Baum nageln? Wenn überhaupt, dann unter Aufsicht und mit Anleitung. Mit Abenteuer hat das dann allerdings reichlich wenig zu tun. Kein Wunder also, wenn Kinder das Internet nutzen um ihren Abenteuerhunger zu stillen. Dort wird man per Mausklick zum Piraten, zu Indianer oder Wikinger.

Selbstwirksamkeit

Voller Neugier und Entdeckerlust sind Kinder im Netz unterwegs, meistern Aufgaben, eignen sich die nötigen Fähigkeiten selber an und werden zum Schöpfer ganzer virtueller Welten. Und in realen Welt? Welches Kind hat noch die Möglichkeit seine Entdeckerlust draußen auszuleben? Welches Kind darf sich als aktiver Gestalter seiner Umwelt wahrnehmen? Etwas selber bauen? Etwas selber erschaffen? Bei der heute üblichen “Freizeitgestaltung” geht es eher um Förderung. Beim Sport geht es um des Erlernen richtiger Bewegungsabläufe und im Garten steht die mit Sicherheitssiegel versehene Schaukel. Kein Material zum selber Gestalten und keine Möglichkeit um per Versuch und Irrtum sich selbst Fähigkeiten anzueignen – von Selbstwirksamkeit keine Spur.

Wie schaffen wir es dass Kinder wieder mehr draußen spielen?

Die Antwort liegt auf der Hand: Das Abenteuer muss wieder nach draußen verlegt werden. Wenn Kinder als Entdecker und kreativer Schöpfer draußen unterwegs sein dürfen, werden sie auch gerne draußen spielen. Eine Welt die Freiheit, Autonomie und Abenteuer bietet und die Gelegenheiten bereit hält selbstwirksam zu sein wird Kinder immer anziehen. Ob das nur die virtuelle Welt ist – oder eben auch die reale Welt- ist unsere Entscheidung als Eltern.


Und ja – dreckige und zerrissene Hosen und der Umgang mit Gefahren gehören auch dazu. Ebenso die Tatsache, dass wir manchmal nicht wissen wo unsere Kinder gerade sind, dass wir keine ständige Kontrolle über sie haben und ihnen Vertrauen schenken müssen – genauso wie wir es auch machen wenn sie im Internet alleine unterwegs sind.

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